Über Kunst und Weber-Aufstand

18 Oktober 2015, 12:00 am
Published in Pressemeldungen

Wipperfürth und Lindlar - 19.03.2015

Museumsbus

Über Kunst und Weber-Aufstand

Dominic und Kevin (v.l.) begutachten eine Skulptur von Käthe Kollwitz. (Foto: Sauer)

 

Von Florian Sauer

Die Siebtklässler der Wipperfürther Konrad-Adenauer-Hauptschule fuhren mit dem neuem Museumsbus nach Köln, um dem Käthe-Kollwitz-Museum einen Besuch abzustatten. Das Werk „Weberaufstand“ beschäftigt die Schüler besonders.

Als der Museumsbus am Dom abbiegt, spielt er seinen ersten Trumpf aus. „Hier sitzt man höher und kann den Rhein viel besser sehen, als aus dem Auto“, sind sich Marco und Eugen schnell einig. Dabei wird das zwölf Meter lange Vehikel der Kölner Regionalverkehr GmbH (RVK), beklebt mit den Fotos knallgrüner Skulpturen und tiefblauer Ritterrüstungen, noch für eine ganze Menge mehr sorgen, als für einen prima Blick auf den Strom.

Eine knappe Stunde zuvor haben die Siebtklässler der Wipperfürther Konrad-Adenauer-Hauptschule den Museumsbus geentert – als erste Schüler Oberbergs testen sie ein bundesweit einzigartiges Angebot, das obendrein noch kostenlos ist. Für die 20 Jugendlichen wird der Kunstunterricht im Käthe-Kollwitz-Museum lebendig.

„Nicht warten, bis junge Menschen ins Museum kommen! Sie in ihrem Umfeld abholen“ lautet der Auftrag von RVK-Fahrer Achim Schulze, der den Slogan der gemeinsamen Initiative von Museumsdienst Köln, Kreissparkasse Köln, deren Kölner Kulturstiftung, RVK und der Museumspädagogischen Gesellschaft umsetzt (siehe Kasten). Die Kölnische Rundschau ist Medienpartner der einzigartigen Kooperation, die in den nächsten drei Jahren 10 000 Schüler erreichen soll.

Während der Bus in Richtung Innenstadt rollt, lehnen sich Marion Klein-Palubitzki und Miriam Kemper entspannt zurück. „Ohne diesen Service wäre es organisatorisch eine Herausforderung, ein Museum in Köln zu besuchen“, freuen sich die beiden Lehrerinnen. Minuten später geht es für die gesamte Truppe per Glasaufzug unter das Dach der Neumarkt-Passage.

Mit Miriam Stauder und Julia Senn von der KSK treffen die Schüler dort auf Expertinnen für eine der bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie lernen, was eine Bank überhaupt mit Kunst zu tun hat, warum Köln das weltweit größte Kollwitz-Archiv beherbergt, obwohl die Kollwitz hier nie lebte, und welche Rolle ihre Enkel dabei spielen. Staunen macht sich breit, als Senn beschreibt, wie ein Holzschnitt entsteht, und dass Kollwitz ihre Kinder auf die Rückseite von Einkaufszetteln zeichnete – weil Fotoapparate um die vorletzte Jahrhundertwende herum noch eine Rarität waren.

Das Werk „Weberaufstand“, das Bildnis der gescheiterten Arbeiter-Revolte, beschäftigt Eileen, Dominic und Co. besonders. Damals wie heute zögen Menschen mit wenig Geld gegenüber Reichen oft den Kürzeren, finden die Schüler. Zum Abschluss versetzen sich die Wipperfürther einmal selbst in die Rolle der von Kollwitz dargestellten Personen.

„Wir sind vollauf zufrieden“, freut sich Anne Halbey von der KSK über den ersten Besuch des Museumsbusses am Neumarkt. Während der Rückfahrt vergessen Marco und Eugen den Rheinblick schnell. In den Sitzreihen wird über Käthe Kollwitz diskutiert. Und darüber, dass Köln mehr zu bieten hat, als Geißbock und Dom.

Service für Schulen

Seit Januar 2015 fährt der Museumsbus von Oberberg, Rhein-Berg, Rhein-Sieg, Rhein-Erft und Euskirchen aus insgesamt zehn Kölner Museen an. Der Ausflug ist kostenlos und umfasst Hin- und Rückreise, sowie die Museumsführung.

Schüler der Sekundarstufe I erwartet ein breit gefächertes Angebot – vom Ostasiatischen Museum über das Stadtmuseum, die Museen Ludwig und Schnütgen, das Römisch-Germanische Museum, das Wallraf-Richartz und das Rautenstrauch-Joest-Museum bis zum NS-Dokumentations- zentrum, das Museum für Angewandte Kunst und das Käthe-Kollwitz-Museum.

Einzelheiten (Terminen, Buchungsmöglichkeiten) im Internet. (sfl)

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